#025 Ich hab's doch gewusst! – Wie sogar Fingerabdrücke plötzlich lügen

Shownotes

Fünf Minuten Small Talk – und schon hat sich in dir eine leise, aber sehr endgültige Stimme gemeldet: „Den mag ich nicht.“ Ab diesem Moment wird jeder Satz dieser Person automatisch zum Beweisstück. In dieser Episode schauen wir uns an, wie unser Gehirn unbewusste Filter aufbaut, die widersprechende Informationen im Alltag einfach unsichtbar machen.

In dieser Folge erfährst du:

• Das Dror-Experiment: Warum erfahrene Daktyloskopen dieselben Fingerabdrücke plötzlich anders bewerten, sobald ihnen vorher ein Alibi oder ein Geständnis ins Ohr geflüstert wurde. • Der Confirmation Bias: Warum unser Gehirn evolutionär darauf getrimmt ist, bestehende Vermutungen zu bestätigen, statt nach der Wahrheit zu suchen. • Die Lehrerzimmer-Falle: Wie schnelle Urteile aus der ersten Schulwoche zu jahrgangsübergreifenden Aktennotizen werden und wie sie Schüler in Schubladen sperren. • Der innere Bestätigungsfehler: Warum wir dieselbe Beweisaufnahme unbewusst auch gegen uns selbst und unser eigenes Selbstbild verwenden.

✨ Dein Mikro-Auftrag für die kommenden Tage:

Nutze die „Neuentdeckung“: Wähle eine Person aus deinem Umfeld, über die du eine sehr feste Meinung hast (einen Schüler, eine Kollegin oder deinen Partner). Finde heute ganz bewusst eine einzige Sache an dieser Person, die dir noch nie aufgefallen ist – ohne Bewertung, ohne alten Beweis. Wenn du sie gefunden hast, sage dir innerlich nur: „Ah, das wusste ich noch gar nicht von dir.“

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Transkript anzeigen

00:00:02: Du triffst jemanden auf einer Feier.

00:00:04: Fünf Minuten Smalltalk, mehr nicht!

00:00:07: Und irgendwo dazwischen hat sich in dir eine leise aber sehr endgültige Stimme gemeldet – den mag ich nicht.

00:00:14: Ab diesem Moment passiert etwas Merkwürdiges.

00:00:16: Jeder Satz, den diese Person noch sagt wird plötzlich zum Beweistück.

00:00:20: Er redet soviel ja klar arrogant, er fragt nichts zurück, ja klar selbstverliebt.

00:00:25: und weißt du was daran wirklich fies ist?

00:00:28: Genau dasselbe Gehirn, das gerade in Sekunden ein komplettes Urteil über einen wildfremden Menschen gefällt hat würde von sich aus selbst behaupten ich bin doch total objektiv.

00:00:39: Ich schau mir das nur an wie es ist.

00:00:46: und genau dasselben passiert ihr übrigens auch in Schule.

00:00:49: erste Schulwoche neues Gesicht nach zwei drei Situationen steht fest der ist schwierig.

00:00:54: Von da fällt ja jede Unruhe auf jedes Widerwort.

00:00:58: Die drei ruhigen Tage dazwischen, naja so gut wie nicht wahrgenommen.

00:01:01: Ausnahmen halt!

00:01:03: Fast... So als wären sie nie passiert.

00:01:06: Zumindest noch deiniges Gedächtnis ist.

00:01:16: Ist das eigentlich nur beim Menschenkontakt?

00:01:19: Nee.

00:01:20: Unser Kopf schafft es sogar ausgerechnet bei Fingerabdrücken subjektiv zu werden.

00:01:27: FINGERABDRÜCKEN.

00:01:29: Dieses Symbol schlechthin für hundertprozentige unbestächliche Beweiskraft.

00:01:34: Willkommen bei Happy Campus.

00:01:37: Ich bin Manuela Schneider, Gründerin von Happy Campus, Heilpraktikerin für Psychotherapie-Möglichmacherinnen und Zukunftsgestalterin.

00:01:44: Schön dass du wieder da bist!

00:01:47: Und ja... Du hast richtig gehört Es geht heute um Fingerabdrücke Das Nonplus Ultra der Objektivität.

00:01:56: Zumindest dachten das bisher alle.

00:01:59: Also ich schon!

00:02:00: Du auch?

00:02:04: Hat der Kognitionsforscher Itel Tror ein Experiment gemacht, das mich beim Lesen wirklich mehr als überrascht hat.

00:02:14: Er hat erfahrenen Fingerabdrucksachverständigen – übrigens nennt man diese Menschen Dactyloskopen – genau diesen hat man Fingerabdrückpaare vorgelegt die sie Jahre zuvor selbst begutachtet hatten.

00:02:31: Exakt dieselben Abdrücke!

00:02:33: Die selben Linien schleifen Wirbel.

00:02:36: Nur hat er ihnen diesmal eine kleine Zusatzinformation mitgegeben, der einen Gruppe erzählte er, der Verdächtige habe bereits gestanden, der anderen Gruppe erzählt er, Der Verdächte habe ein wasserdichtes Alibis.

00:02:56: Die Sachverständigen selbst waren top ausgebildet und mit jahrelanger Erfahrung überzeugt dass so etwas wie Bauchgefühl in ihrem Job keine Rolle spielt.

00:03:08: Trotzdem kamen mehrere von ihnen bei denselben Abdrücken plötzlich zu einem anderen Ergebnis als noch Jahre zuvor!

00:03:19: Wer vom Geständnis wusste, fand eher eine Übereinstimmung.

00:03:24: Wer vom Alibi wusste fand eher das die Abdrücke sich unterscheiden.

00:03:30: Stell dir das mal vor... Nicht die Fingerabdrücke haben sich verändert, nur das was man den Expertinnen und Experten vorher ins Ohr geflüstert hat.

00:03:46: Und wenn selbst Fingerabdrücke sich von einer einzigen Information einlohlen lassen dann hast du eine ungefähre Ahnung wie wenig standhaft deine Meinung über andere Menschen wahrscheinlich ist.

00:04:01: Heute schauen wir uns an warum unser Kopf sich so gerne, also wirklich so selbstsogerne Recht gibt.

00:04:09: Was das in Schule und sogar mit dir selbst anrichtet!

00:04:14: Und wie du deiner eigenen ersten Einschätzung mit ein bisschen mehr Neugier statt Gewissheit begegnest.

00:04:28: Der Fachbegriff dafür ist der sogenannte Bestätigungsfehler – und genau das ist bei den Fingerabdruck-Expertinnen passiert.

00:04:40: Sobald sie eine Vermutung im Kopf hatten, geformt durch die Zusatzinformation hat ihr Gehirn ganz automatisch nach allem gesucht was diese Vermutungen stützt und alles ausgeblendet was hier widerspricht.

00:04:53: Bei Linien und Wirbeln diese Jahre zuvor mit exakt derselben Ausbildung dem selben geschulten Blick bereits einmal ganz anders bewertet hatten.

00:05:02: Unser Denken ist also nicht in erster Linie darauf ausgelegt herauszufinden was wahr ist!

00:05:08: Es ist darauf ausgelegt, das zu bestätigen was wir bereits für wahr halten.

00:05:15: Selbst wenn wir studierte Profis sind selbst wenn wir uns für die objektivsten Personen im Raum halten.

00:05:22: Das war evolutionär übrigens kein Zufall.

00:05:26: Schnelle stabile Urteile über Freund oder Feind sicher oder Gefahr ohne jedes mal wieder bei Null anzufangen konnten früher Leben retten.

00:05:38: Ein zweites Nachdenken bei jedem Rascheln im Gebüsch war etwas, das sich niemand leisten konnte.

00:05:46: Das türkische daran?

00:05:49: Es fühlt sich nicht wie ein Urteil an!

00:05:51: Es fühlte sich wie eine Tatsache an.

00:05:59: und hier liegt die eigentliche Falle.

00:06:02: wenn du jemanden Einmal als schwierig, unzuverlässig oder arrogant einsortiert hast verschwinden widersprechende Informationen nicht etwa weil sie bewusst ignoriert werden.

00:06:15: Sie werden für dich schlicht unsichtbar!

00:06:19: Dein Gehirn filtert sich schon raus bevor sie überhaupt bei dir ankommen.

00:06:24: Für Lehrkräfte ist das ein besonders heikler Punkt.

00:06:28: Ein früher Eindruck von einem Kind, einem Jugendlichen gebildet in den ersten Wochen, prägt oft monatelang wie du diesen Schüler diese Schülerin wahrnimmst.

00:06:40: Manchmal sogar wie andere Kolleginnen sie wahrnehmen sobald Du Deine Einschätzung im Lehrerzimmer einmal geteilt hast.

00:06:50: und weil Lehrerzimmers bekanntlich keine Schweigezone sind wird aus dieser einen Einschätzung ruckzug eine Art Aktennotiz, die von Jahrgang zu Jahrgang munter weitergereicht wird.

00:07:04: Ich habe es neulich in einem Bericht gelesen, dass sich die Einschätzung von Lehrkräften über neue Schüler und Schülerinnen oft schon in den ersten zwei drei Wochen ziemlich fest setzt und danach kaum noch nachjustiert wird – selbst wenn sie Schüler oder Schülerin über Monate komplett verändert!

00:07:24: Und es funktioniert übrigens nicht nur nach außen gegen andere.

00:07:28: Genau derselbe Mechanismus arbeitet auch noch innen, gegen dich selbst!

00:07:32: Wer einmal den Gedanken gefasst hat – ich bin sowieso nicht organisiert genug – wird jeden liegenden Zettel als Beweis dafür werden Ausstellungsstück Nummer eins sozusagen.

00:07:45: Den Tag an dem wirklich alles pünktlich fertig war registriert dieselbe Person kaum läuft bei der Beweisaufnahme nicht mal als Fußnote mit.

00:07:55: Also, nicht einmal vor dem eigenen Selbstbild macht der Bestätigungsfehler also Halt!

00:08:06: Was jetzt hilft ist kein Vorsatz wie.

00:08:10: ich werde ob jetzt objektiver sein?

00:08:13: Objektivität lässt sich nicht einfach beschließen.

00:08:16: das haben wir gerade bei hoch qualifizierten Fachleuten gesehen.

00:08:20: was hilft ist eine ganz bestimmte Unterscheidung der Unterschied zwischen einer einzelnen Beobachtung und einem für immer gültigen Urteil.

00:08:30: Nicht, er ist zuverlässig sondern in diesem Moment war das unzuverläßig.

00:08:37: Klingt nach Spitzfindigkeit?

00:08:40: Ist aber eigentlich der Kern der Sache!

00:08:43: Eine einzelne Beobuchtung darf doch wahr sein genau an diesem Tag.

00:08:48: Das macht sie noch lange nicht zu einer Eigenschaft, die ab sofort für immer gilt.

00:08:54: Dein Kopf macht aus dieser einen Moment Aufnahme aber liebend gern eine Dauerausstellung und genau deshalb lohnt sich eine kleine neugierige Übung bewusst nach dem Suchen was du bisher übersehen hast.

00:09:12: Nicht weil deine erste Einschätzung garantiert falsch ist sondern weil dein Kopf wie wir jetzt wissen, von ganz alleine niemals danach suchen würde.

00:09:22: Selbst bei Fingerabdrücken nicht und die verändern im Gegensatz zu deinen Schülerinnen und Schülern unter der Woche nicht mal heimlich ihre Form!

00:09:36: Die praktischste Umsetzung davon ist denkbar einfach.

00:09:39: Bevor du eine Einschätzung über einen Menschen als endgültig betrachtest – egal ob Schüler-Schülerin, Kollegin oder Partner – stell dir bewusst diese Frage Welches Verhalten habe ich in den letzten Tagen übersehen, weil es nicht in mein Bild gepasst hat?

00:09:57: Das bedeutet übrigens nicht dass du jede Einschätzung über den Haufen wirfst.

00:10:01: Es bedeutet nur das du dein Kopf für ein Moment die Gegenprobe zumutest, die sich von selbst niemals stellen würde.

00:10:13: Und ganz praktisch für den Schulalltag, wenn du merkst dass sich eine feste Meinung über ein Kind einen Jugendlichen gebildet hat fragt bewusst eine Kollegin die diesen Schüler diese Schülerin in einem ganz anderen Kontext erlebt zum Beispiel bei Sport oder einer Pause.

00:10:28: Oft bekommst du dort ein Bild das mit deinem eigentlich kaum etwas zu tun hat weil ihr beide durch eure eigene Brille schaut.

00:10:36: Das Gleiche gilt übrigens privat.

00:10:38: Frag bewusst jemanden, der die Person aus einem anderen Zusammenhang kennt wie er oder sie sie erlebt.

00:10:45: Klingt vielleicht nach Detektivarbeit in eigener Sache.

00:10:47: ist es auch nur ohne Dienstmacke?

00:10:50: Die Antworten überraschen öfter als man denkt.

00:10:57: Heute haben wir erfahren dass selbst Fingerabdrücke das vermeintlich objektivste Beweismittel überhaupt plötzlich lügen sobald jemand vorher ein Wort ins Ohr geflüstert bekommt.

00:11:08: Unser Kopf macht das jeden Tag, bei Menschen ganz ohne Vorwarnung und ohne Aktenzeichen.

00:11:13: Und hier ist ein Mikroauftrag für die kommenden Tage!

00:11:18: Die Neuentdeckung.

00:11:21: Wähle eine Person, bei der du das Gefühl hast Du kennst sie schon ziemlich genau im Guten wie im Schlechten.

00:11:28: Und finde heute ganz bewusst Eine einzige Sache an dieser Person, die dir noch nie aufgefallen ist keine Bewertung, kein Beweis, keine Korrektur einer alten Meinung.

00:11:40: Nur eine Neuentdeckung!

00:11:48: Und wenn du sie gefunden hast, sag innerlich einfach... Ah, das wusste ich noch gar nicht von dir.

00:11:54: Nicht mehr.

00:11:55: Nur dass.

00:11:57: Schön, dass du heute wieder dabei warst.

00:11:59: Nächste Woche schauen wir uns an warum ein Affenhirn schon feuert, wenn es bloß zusieht wie jemand nach einer Erdnuss greift Ganz ohne selbst hinzulangen.

00:12:08: Und was das damit zu tun hat, warum du manchmal keine zehn Minuten nachdem dein Partner gereizt zur Tür reinkommt, selbst auf einmal schlechte Laune hast – obwohl dir überhaupt nichts passiert ist!

00:12:19: Angesteckt!

00:12:20: Das besprechen wir am kommenden Montag.

00:12:23: Das war Happy Campus Und wenn du merkst, dass dir das loslassen von einer festen Meinung über andere besonders schwerfällt dann lade ich dich herzlich in die Happy Campus Community ein.

00:12:33: Dort bin ich alle drei Tage mit einem Mikromoment an deiner Seite und einmal im Monat gehen wir in unserer Online-Fortbildung so richtig in die Tiefe für das was im Alltag zu kurz kommt – beruflich wie privat!

00:12:54: der HCC.

00:12:55: Für dich!

00:12:57: Du bist wichtig, du bist richtig, du bestaltest Zukunft.

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